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D-Pelt promo shot

Im Oktober hatte ich euch das neue Album von D-Pelt vorgestellt (Review hier). Kurz darauf hatte ich den Plan, ein Interview mit dem Hardcore-Hip-Hopper zu führen. Nach ein paar Emails hin und her könnt ihr nun das Ergebnis lesen.

Erzähl erst einmal, wie du zum Hip-Hop gekommen bist. Du warst ja lange in der Hardcore-Szene aktiv.

Ja ich war mit Desintegrated, Denny Crane und Got Nuhtin’ am Start. Bei allen Bands waren hier und da mal Rap Parts dabei. 2011 habe ich das erste mal ein Rap-Projekt gefeatured. Ich habe dann im selben Studio meine ersten Hip Hop Demos in deutscher Sprache aufgenommen. Ich wollte mehr mit Lyrik transportieren und nicht abhängig von den Songwritings einer ganzen Band sein und außerdem gucken ob es auch tiefgründiger geht.

Spielst du weiter in Hardcore-Bands?

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Auf ein Bandprojekt an sich hab ich manchmal wieder Bock aber das ganze drumherum war für mich immer mit viel Rausch verbunden und das geht nicht mehr klar.

Was reizt dich am Hip-Hop?

Ich habe Hip Hop früher gehasst wie die Pest! Mit Desintegrated gab es ein Lied mit dem Titel „Violence Against Violence“ in dem ich meine Abneigung für Rap ausdrückte. Man muss sich aber erstmal mit der Hip-Hop.Kultur auseinandersetzen, um zu begreifen das es eben viel mehr sein kann als platte Beleidigungen und kindisches Geprotze, denn gerade die Lyrik reizt mich am Hip Hop.

Wo kommt dein Pseudonym her?

Das Pseudonym steht für meinen Familiennamen. Die Schreibweise stammt aus Myspace Zeiten.

Wie kam der Kontakt zu Ill Bill und Necro zustande und wird es da eine weitere Zusammenarbeit geben?

Ich war auf Mixtapes vertreten, die von Ill Bill und Necro präsentiert wurden. Ich glaube nicht wirklich das die Notiz von den Songs genommen haben. Ich hatte das Angebot live für Necro zu eröffnen, musste aber leider absagen. Ob in die Richtung noch mehr passiert wird die Zeit zeigen.

Dein Album ist vor kurzem erschienen, zunächst als Free Download, jetzt aktuell für Geld. Warum drei Tage kostenlos?

Ich habe das Album über sehr lange Zeit angekündigt und leider sind einige Veröffentlichungstermine geplatzt. Da sich das Digipak weiter verzögert, habe ich eine digitale Version online gestellt und diese als Entschuldigung kurze Zeit Gratis angeboten.

Wie sind die Reaktionen bisher?

Gut! Ich war mir selbst nicht sicher ob man ein Album raus hauen kann, das Hardcore und Hip-Hop-Musik als Solo-Musiker vereint. Aber die Leute scheinen fast dankbar zu sein das es einer mal anders versucht und durchzieht! Das freut mich natürlich! Erstaunlicherweise haben viele Leute auch mit Ihrem Geld für das Album an dem von Dir angesprochenen kostenlosen Wochenende gezahlt, dafür nochmal Danke!

Mit der CD gab es Probleme. Woran liegt es?

Das Digipak erscheint über Core Tex Records. Es gibt irgendwie Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Vertrieb. Es ist nicht immer einfach alleine ein Album mit einem gewissen qualitativen Anspruch zu produzieren und zu vertreiben. Ich kotz zwar ein bischen ab aber es gibt schlimmeres.

Zum Intro des Albums habe ich mal den Wikipedia-Artikel (Crips and Bloods) geschrieben. Es handelt sich um einen Auszug aus einer Dokumentation zum Crips & Bloods-Konflikt. Wie kamst du darauf und wusstest du, dass Nate57 einen ähnlichen Monolog (Genius.com) verwendet hat?

Wusste ich nicht, nein.  Ich habe die Doku als DVD und bewundere einfach die Machart des Films. Es geht mir nicht darum eine Gang-Attitüde zu benutzen. Viel mehr sehe ich die Geschichte dahinter mit sozialkritischem und politischen Denken. Die Aussage die transportiert wird definiert meine Ansichten über unser System und unsere Gesellschaft und meine Rolle in diesem Spiel. Ich mag auch das Sample auf Achtsamkeit das in die gleiche Richtung geht aber aus einem Hörspiel kommt. Außerdem sei jedem den die Thematik Crips and Bloods interessiert auch die Doku Der 13. Staat (Original „13th“) empfohlen!

Etwas ungewöhnlich ist die Zusammenarbeit mit dem Soifass-Bassisten, der auch nicht gerade als Hip-Hopper bekannt ist. Wie kam es dazu?

Stino war kurze Zeit in meiner ersten Band aktiv und hatte mich dann zu Denny Crane geholt bevor er seinen festen Platz als Bassist bei den Soifass fand. Stino ist ein echt feiner Kerl und ich mag seine Stimme. Das Lied mit seinem Gastbeitrag ist ja auch keiner der Hip-Hop-Songs sondern einer der HC-Tracks. Im Soifass-Proberaum haben wir außerdem die Gang Shouts für das Album aufgenommen.

Was verbindet Oi! und Hip-Hop?

Nichts. Ich denke die Brücken sind andere. Oi! und Hardcore haben eine Verbindung. Und Hardcore hat dafür aber eine gewisse Verbindung zum Hip Hop. Das verstehen die Leute, die von ihrem Lebenslauf in diese Szene oder Szenen gebracht wurden, schon. Das hat weniger etwas mit Musikgeschmack zu tun sondern mit der Einstellung zum Leben an sich!

Auf dem Album sind auch  ein paar weitere illustre Gäste vertreten. Wie kamst du zu ihnen?

Es sind ja viele Gäste auf dem Album. Als erstes muss ich aber Micha von den Anticops dankend nennen. Ohne ihn könnte ich mich musikalisch nicht so präsentieren wie ich es eben kann! Mit Hometown Hate gab es mit Denny Crane schon eine Split. Mit Jorge habe ich mich in Berlin getroffen. Das kam durch die Bindung von der Chula Crew und den Babas zustande. Mit Novatore gab es schon einige gemeinsame Tracks vorher. Der hatte mich nach dem Mixtape von Ill Bill angeschrieben. Alles im Detail sprengt den Rahmen. Die Jungs wissen einfach das das was ich mache mein Herzblut ist.

Neben der Musik hast du auch noch dein eigenes Klamottenlabel instinct hard wear. Erzähl mal etwas darüber?

Ich bin gelernter Siebdrucker von Beruf. Ich habe von meinem ersten Demo Instinct an daran gearbeitet das zu verbinden. Es ist Leidenschaft am d.i.y. an sich. Das Feedback ist gut. Man bekommt die erste Kollektion in Kreuzberg und über den Mailorder vom Core Tex weltweit. Das Cover vom Album ist eins der Motive. Wie das Album verbindet Instinct Hard Wear die Subkulturen. Der Style und der Charme repräsentiert den Underground.

Auf dem Flyer erkenne ich ein paar Typen, MC Bogy, Blokkmonsta, aber auch von diversen Hardcore-Bands sind “Models” vertreten. Wie kamst du dazu?

Unter anderem Madball und Nasty, ja. Wenn man den kennt, kennt der nächste den und so weiter. Nur weil Danny Diablo mein Shirt präsentiert heißt das nicht gleich, dass er mein Freund ist. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort trifft es ganz gut. Süd Berlin scheint der richtige Ort für mich zu sein.

Ok, back to music…”war auf tour mit slapshot ohne maske in der fresse”. Wann? Und: ist das ein Statement gegen die Maskenrapper?

Mit Got Nuthin’ zu meiner Zeit gab es ein paar Konzerte mit Slapshot. Das Statement ist nicht gleich gegen alle Maskenrapper! Erstmal passte das mit der Maske einfach gut zu Slapshot und ich verstelle mich nicht und versuche als Künstler keine Kunstfigur zu erschaffen, deshalb die Zeile.

Generell sind deine Texte eher negativ gehalten. Was möchtest du mit ihnen ausdrücken?

Ich will mit der Negativität nichts ausdrücken. Anscheinend bin ich so. Ich seh bei jedem Text auch immer das Positive. In erster Linie den Prozess des Schreibens wo ich mich mit mir selber auseinandersetzen muss und dann natürlich auch das Aufnehmen mit guten Freunden.  „Folge den Spuren“ mit Novatore von 2015 beschreibt diesen negativen Part meiner Persönlichkeit ganz gut.

Hast du Verbindungen zur deutschen Hip-Hop-Szene und wie gehst du mit den dort doch recht, naja, ich sag mal platten Texten um und dem etwas seltsamen Frauenbild um? Stört dich das als alter Hardcoreler?

Deutscher Hip Hop kann sehr intellektuell sein. Da gibt es Amewu, Cr7z, Umse oder Donato und auch Strassenrap ist nicht immer nur niveaulos. Ich erinner mich das ich mich damals bei WOM mit dem Plattendealer unterhielt und der als Metaller mich fragte, ob ich auch den Inhalt der Texte bei der neuen Cannibal Corpse prüfe, die ich da gerade kaufen wollte, oder ob ich nur die Texte von Aggro Berlin und Co. verteufel, was ich ich an dem Tag tat, und er hatte damit irgendwo schon recht. Ich finde es nur traurig das selbst die BRAVO heute schon den jüngsten Kids all diesen Müll wie SXTN einimpft. Das steckt aber ein gesellschaftliches Problem dahinter finde ich.

Hier ein paar Stichworte. Einfach mit ein paar Sätzen kommentieren:

Deutschrap – Überschwemmt von Müll. In „Krankes Biz“ von Cr7z heisst es aber: „Der Untergrund war und ist schon immer die weitaus höhere Liga im Rap“. Damit ist alles gesagt.

Zeckenrap  – Hör ich nicht, kenn ich nicht.

AFD – Zeigt zum einen das unsere Gesellschaft nach einer Alternative sucht, was gut ist. Allerdings auch ein Armutszeugnis. Wer eine Partei wählt, die mit nackten Weiberärschen und „Bikini statt Burka“ Slogan Wahlkampf macht, hat seine politische Bildung aus der BILD und ist einfach nur Teil des kranken Systems ohne es selber zu merken.

TrumpAls nächstes wählen die da Steven Seagal, Hulk Hogan oder David Hasselhoff. Ein Review eines Hip-Hop-Zines schrieb mal zu meiner Musik das „immer wieder unschön antiamerikanistische Töne angeschnitten werden“. Für mich ist Demokratie nur noch eine Farce und gerade in den USA ein echtes Kaspertheater!

Good Night White Pride – Ich für mich persönlich kann dem jetzt nicht mehr so viel abgewinnen. Ich hab eben weiße Haut und schäm mich nicht meiner selbst und damit schade ich ja auch keinem anderen Menschen. Wir müssen lernen als Menschheit zu agieren, anstatt uns immer weiter spalten zu lassen.  Aber sicherlich ein sinnvolles Statement wenn es um Hardcore und Hip Hop geht, na klar!

Straight Edge – Ich habe viel Zeit an Drogen verschwendet. Zu viel! Wer SxE durchzieht lebt nicht unbedingt gesünder, aber man schont zumindest seine Gehirnzellen und den Geldbeutel!

Wir haben eine Rubrik “10 records worth to die for” in denen man seine 10 Lieblingsalben vorstellen kann.  Heute hätte ich gerne deine 10 liebsten Rapalben.

Outkast – ATliens (1996)
Fugees – The Score (1996)
Q-Unique – Vengeance is Mine (2004)
Apollo Brown & OC – Trophies (2011)
WindchILL – Self Meditation (2009)
Amewu – Leidkultur (Zenit Remixes) (2017)
Savas & Sido – Royal Bunker (2017)
Bone Thugs-N-Harmony – E1999 Eternal (1995)
NAS – The Lost Tapes (2002)
2 Pac – All Eyez On Me (1996)

 So, das wärs. Irgendwelche letzten Worte?

Ich suche derzeit Beat-Produzenten für das 2018er Album! Wer Bock hat was dafür einzureichen kann mich gerne kontaktieren! Ansonsten abonniert D-PELT und INSTINCT! Das Digipak wird nur auf 100 Stück limitiert sein und aktuell gibt es im Core Tex einige SONDERANGEBOTE auf INSTINCT!

Danke für das Interview!

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf Blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc (Archivversion: http://archive.iamhavoc.de/) veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier,

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