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Dedication Records

Am 15. Dezember beendeten The Prosecution ihre erste, große, eigene Headliner-Tour in der Alten Mälzerei in Regensburg. Mit Radio Havanna als Anheizer nahmen sie die Mälze auseinander.

Für mich begann der Abend relativ entspannt… um 18 Uhr hatten meine Kollegin Regina und ich schon einen Interview-Termin mit den Jungs von Prosecution. Wir durften dieses Jahr schon mit ihnen über das neue Album (meine Review gibt’s hier) und die damals noch anstehende Tour plaudern. Was uns Lookie, Tini und Simon im Sommer erzählt haben, könnt ihr hier nachlesen. Jetzt waren wir natürlich ganz gespannt darauf, was sie über die letzten Monate zu berichten haben. Das aktuelle Interview findet ihr hier.

Nach unserem gemütlichen Plausch hatten wir noch Zeit einen Happen zu essen. Tatsächlich kann man in der Alten Mälzerei wirklich gut und preiswert speisen. Der Cheesburger mit Pommes ist auf jeden Fall empfehlenswert. Nun aber zum eigentlichen Thema.

Um 19 Uhr war Einlass, gegen 20:30 betraten dann Radio Havanna die Bühne. Okay, eigentlich betrat erstmal nur der Schlagzeuger die Bühne und fing ganz gelassen an zu spielen. Dann der Basser, im Anschluss der Gitarrist. Nach und nach stiegen sie alle in den Beat des Schlagzeugs ein. Klingt schon mal ganz schön gut! Zu guter Letzt kam dann natürlich auch der Sänger, in traditioneller bayerischer Tracht – ohje!

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BDHW

Ich muss gestehen, dass mir Radio Havanna zwar ein Begriff waren, ich aber noch nie bewusst reingehört hab. Erstmal war ich wirklich positiv überrascht vom Sound, doch die deutschen Lyrics konnten mich nicht wirklich überzeugen. Ein Gedanke der sich bis zum Schluss festgebissen hat: KMPFSPRT meets Die Ärzte.

Nahezu jede Nummer wird mit einem präzisen Gitarrenriff eingeläutet, das finde ich richtig stark. Auch sonst klingen immer wieder melodische Parts und mitreißende Singalongs durch, damit erinnern mich Radio Havanna stark an Bands wie die bereits erwähnten KMPFSPRT und andere Vertreter des deutschsprachigen, indielastigen PunkRocks. Gesanglich bewegt sich Frontmann Fichte allerdings eher im Bereich des klassischen Deutschpunks und das passt für mich irgendwie nicht zusammen.

Versteht mich nicht falsch, jeder Ton sitzt und Fichte gibt 110% – ich möchte eigentlich nichts schlechtes über ihn sagen. Vielleicht war es auch nur die bayerische Tracht, die mein Urteilsvermögen getrübt hat!

Mit Songs wie Unvergänglich vom 2012er Album Alerta, Anti Alles, der 2. Singleauskopplung des kommenden Albums Utopia und Raketen (Unsere Stadt brennt, 2015) konnten mich die Jungs, dann aber doch noch überzeugen. Die Berliner haben wirklich eine ordentliche Show hingelegt und auch an Interaktion mit dem Publikum hat es nicht gemangelt. Sympathisch und politisch auf der richtigen Seite konnten sie das Publikum für sich gewinnen. Die letzten 2 Songs nutzten die Gäste auch noch für einen kleinen Pogo. Auch ein Steinbock machte sich warm für die anstehende Show von The Prosecution.

Radio Havanna am 15.12.17 in Regensburg

Umbaupause – Zeit für eine Zigarette und einen Drink an der Bar. Das geht in der Mälze – dank Nebenraum mit großer Bar – recht stressfrei. Naja, als Fan tiefgründiger Tresengespräche habe ich natürlich den Auftakt der Lokalmatadoren verpasst. Mitte des ersten Songs – The State Of Hate (The Unfollowing, 2017) habe ich mich dann also in die erste Reihe gedrängt, die Meute war bereits am eskalieren. Vor der Bühne hat sich auch schon ein großer Pogo aufgetan und Herr Steinbock war mittendrin.

Ihr fragt euch sicherlich von was für einem Steinbock ich eigentlich rede. Nein ich habe keine Halluzination. Ganz klar, bei den Temperaturen vor der Tür macht es natürlich Sinn, sich ein Steinbock-Maskottchen-Kostüm drüber zu ziehen. Das hält warm! Damit auf eine Show zu gehen, insbesondere auf eine Prosecution-Show, wirft allerdings die Frage auf, wie lange es dauert, bis man auf Grund eines Hitzschlags das Bewusstsein verliert. Ich schweife schon wieder ab, verdammt!

The Prosecution am 15.12.17 in Regensburg

Also zurück zur Band – was soll ich denn großartig sagen? The Prosecution liefern einfach immer eine Wahnsinns-Show ab! Unglaublich wie viel Kraft die Jungs nach knapp 3 Monaten auf Tour und zahlreichen Festival-Shows vorab noch haben. Gespielt werden natürlich alte Klassiker wie Still Friends (At The Edge Of The End, 2012) und neue Hits wie Where We Belong (The Unfollowing, 2017). Die Crowd ist vom ersten bis zum letzten Song textsicher. Zwischen drin punktet Simon – wie immer – mit seinen unglaublich netten Worten. So fordert er zum Beispiel das Publikum zu einer „soften“ Wall of Death auf – „habt euch lieb und tut euch nicht weh!“

The Prosecution am 15.12.17 in Regensburg

Besonders positiv fallen mir The Prosecution mit ihrer Bodenständigkeit und Freude am Musikmachen auf. Auf der Bühne ist keine ernste Miene zu sehen, alle haben Spaß und einen Glanz in den Augen wie man ihn sonst nur bei Kindern an Weihnachten sieht. Es wirkt fast so, als würden die Abensberger selbst noch gar nicht begreifen, dass ihr Erfolg tatsächlich kein Traum ist. Tourabschluss in der ausverkauften Mälze und das Publikum ist bis zum letzten Eck am feiern (ich hab mich umgeschaut – war wirklich so!). Besser kann ein Konzert gar nicht laufen.

The Prosecution am 15.12.17 in Regensburg

Nach einer guten Weile – ich habe nicht auf die Uhr geschaut, war aber schon ziemlich nassgeschwitzt und am Ende meiner Kräfte – kündigen The Prosecution den letzten Song an. Vorab noch viele Dankeschöns, die obligatorische Bitte ein bisschen Kleingeld in die ProAsyl-Spendenbüchse zu schmeißen und Aufforderung zum Circle Pit. „Passt auf euch auf“ sagt Simon, er hätte lieber ausdrücklich auf die Stufe direkt vor der Bühne, welche die Tanzfläche mittig trennt, aufmerksam machen sollen – Autsch! Dann also der letzte Song: Lifelines. Gute Nummer, aber mal ehrlich, das glaubt euch doch eh keiner, dass das der letzte Song sein soll. Ganz klar, es folgen noch Two Hearts Beating In One Chest und Voices.

Dann gehen sie von der Bühne… das Publikum rastet aus, ein paar wenige „Zugabe“-Rufe reichen aus, um The Prosecution wieder auf die Bühne zu bewegen. Ehrlich Jungs, es hätte euch niemand übel genommen, wenn ihr euch eine kurze Pause gegönnt hättet. Aber Verschnaufpausen gibt es im Leben der 7 jungen Herren offensichtlich nicht mehr. Stattdessen begeben sie sich wieder ohne Umwege auf die Bühne. Es folgt ein großes Lob an den neuen Mann am Saxophon: Hardy. Wer bereits vor einem Jahr mit dabei in der Mälze war, kann sich sicherlich noch an den herzzereißenden Abschied von Momo erinnern. The Prosecution sind eben mehr als nur Musiker, The Prosecution sind Freunde und Familie!

The Prosecution am 15.12.17 in Regensburg

Aufmerksame Prosecution-Fans wissen ganz genau, was noch fehlt: A New Sensation und Ironic Phrases! Sie enttäuschen ihre Fans nicht und geben noch mal 200% – das Publikum auch! Abschließend dann natürlich der letzte Song des neuen Albums: Melodies Of Timeless Stories. Ganz wunderbar eignet sich diese Nummer, um einen solchen Abend zu beenden. Einen Pogo gibt es jetzt nicht mehr, stattdessen verbreitet sich eine sentimentale Stimmung – manche liegen sich in den Armen und ich habe Tränen in den Augen. Ich glaube auch irgendwo noch den Steinbock mit einem Seeligen Lächeln auf den Lippen bei gefühlten 50°Grad erblickt zu haben.

Nun ist es aber wirklich gut, The Prosecution legen die Instrumente ab und beglückwünschen sich selbst und ihr Publikum zur abgeschlossenen, ersten eigenen Headliner Tour. Schön zu sehen, wie sich Musiker in den Armen liegen und ihr Glück kaum fassen können. Ich bin überwältigt von einer – wieder einmal – großartigen Show und mache mich auf den Weg nach Hause. Für die After Show Party bin ich zu erledigt, freue mich aber schon auf die nächste Tour, welche direkt im März 2018 folgt. Meinen Lesern möchte ich raten, dieses musikalische Highlight nicht zu verpassen. The Prosecution wünsche ich erstmal eine ruhige und entspannte Zeit und weiterhin so viel Freude am Musikmachen!

P.S.: Leider gibt’s nur Handyphotos – ich hab mir aber wirklich Mühe gegeben, damit die was werden 😉

 

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