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„Schatz, hast du da was hingeworfen?“ – zu diesem Einleitsatz lasse ich mich an dieser Stelle hinreißen.

Warum?

Dieses lässt sich nicht gerade einfach erklären…aber es war der Satz, der das Interview zwischen mir und Initiator Lutz einläutete. Begleitet wurden wir dabei von seiner umtriebsamen Herzdame Isabell und ihrem Hund, mit welchem wir uns später noch zu der ehemaligen Austragungsstätte des Rock Am Kuhteich aufmachten, die auf seiner üblichen Hunderunde liegt.

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INTERVIEW MIT LUTZ VOM ROCK AM KUHTEICH

 

AFL: Ihr habt eure alte Wirkungsstätte, das Freibad Borna hinter euch gelassen. Was waren die Gründe hierfür?

Lutz: Das alte Freibad steht nun schon länger leer und es wurde von Jahr zu Jahr immer mehr Arbeit, das Gelände aufzuräumen und fürs Festival herzurichten. Über den Zeitraum eines Jahres wird dort schon randaliert und Müll abgeladen, so dass alleine das Herrichten immer mehr Arbeit wurde.
Es gab auch mal die Idee, das Freibad als Ökobad wiederzueröffnen. Dazu hat sich dann ein Freibadverein gegründet und verschiedene Konzepte entwickelt, aber dieses ist dann in einem Bürgerentscheid gescheitert, da die Leute einfach zu träge waren. Eine Mehrheit war zwar dafür, aber in Sachsen müssen bei einem Bürgerentscheid 25% der Wahlberechtigten mit „Ja“ stimmen und da die Leute einfach zu faul waren, fehlten uns Stimmen, obwohl ca. 75% der Leute die Wählen gegangen sind mit „Ja“ gestimmt haben.

AFL: Aber wie wäre es denn bei einer Neunutzung fürs Rock am Kuhteich gelaufen? Wärt ihr dann nicht auch raus gewesen?

Lutz: Das neue Freibad sollte auch mit kulturellen Rahmen sein. Inwieweit wir dort hineingepasst hätten, hätte man sehen müssen. ein terminlich wäre es aber nicht blöd gesen, denn in unserer Ecke beginnt die Badesaison immer so um den 15. Mai und so hätte man in den Tagen zwischen Rock Am Kuhteich und der Eröffnung noch die kleinen „Schäden“ beheben können. Denn irgendwas ist ja immer und wenn es bisschen kaputter Rasen ist.

AFL: Aber das Thema ist jetzt ja wohl durch denn ihr habt das Freibad ja nun verlassen.

Lutz: Das ist richtig, aber wir hätten dort in diesem Jahr sogar nochmal was machen können. Aber das ist mittlerweile echt eine Ruine. So wurde im letzten Jahr zum Beispiel der Stromkasten, übrigens unter Volllast, weg gehackt und das ist nur ein Beispiel. Zu Beginn konnte man dort alles noch gut nutzen, aber das ist jetzt vorbei.

AFL: Somit erleichtert euch die neue Austragungsstätte schon das Leben?

Lutz: Auf jeden Fall, denn dort wird nun auch schon ordentlich gewerkelt, denn für die beginnt nun auch die Saison. Die machen dort im Kulturpark ja die diversten Veranstaltungen und so passen wir da auch wirklich gut hin.
Wir hatten den auch schon im letzten Jahr im Auge, da wir da noch davon ausgegangen sind, dass das Freibad dann evtl. eine Baustelle sein könnte. Nachdem aber der Bürgerentscheid gescheitert ist, haben wir doch nochmal dort das Festival ausgerichtet.

AFL: Was war denn in deinen Augen das schwerste Jahr für das Rock Am Kuhteich?

Lutz: Das war das Regenjahr 2014…das war echt Hundekalt und nass. Ich glaube Staatspunkrott sind da bei -3°C auf die Bühne gestiefelt. Das war echt kalt und eklig. Trotzdem waren da am Freitag so 350 Leute und Samstag 500 bis 600 da. Trotzdem hat es aber nicht gereicht, so dass wir einige Aktionen starten mussten, um zusätzlich Geld in die Kasse zu bekommen. Zum Beispiel gab es für 150€ ein Ticket Rock Am Kuhteich ein Leben lang. Eine Dauerkarte sozusagen und zehn Leute haben sich das immerhin gesichert. Es gab dann noch Supporter-Shirts oder z.B. haben Alarmsignal Shirts von sich gespendet und so, die wir rausgehauen haben.

AFL: Wie siehst du das denn mit Wachstum? Wollt ihr weiter wachsen oder so bleiben?

Lutz: Wir wollen schon so bleiben, denn mit Wachstum steigt auch das Risiko.
Wenn man größere und natürlich auch teurere Bands bucht und dann z.B. so ein Regenjahr kommt, kann einem das schon das Genick brechen. 500€ Miese kann man auch mal selbst abdecken…aber wenn es in die Tausende geht, wird es schon eng.
Zudem muss ich sagen, dass ich dem Festival schon meinen eigenen Stempel aufgedrückt habe und wenn man größer wird, muss man immer mehr Dinge abgeben und so wird es mmer schwerer diesen Stempelabdruck beizubehalten.

AFL: Wachstum bringt wohl auch ein anderes Pulikum mit sich, oder wie siehst du das?

Lutz: Auf jeden Fall…der Anteil des Partypublikums steigt auf jeden Fall mit steigender Besucherzahl und das ist eigentlich der Anteil den ich schrumpfen lassen will, denn die Leute sollen schon wegen der Musik kommen, denn die Bandauswahl wird von mir auch echt mit Liebe getätigt.

AFL: Das sieht man auch von Jahr zu Jahr an eurem Line-Up. Wie läuft denn die Bandauswahl so bei dir ab? Geht das viel über Bandbewerbungen?

Lutz: Wir bekommen so ca. 1000 Bewerbungen im Jahr, die auch gerne mal noch wenige Tage vorm Festival kommen. Was schon etwas schizophren ist, denn eigentlich sollte klar sein, dass so kurz vorm Festival nichts mehr geht. Ich muss auch sagen, dass ich die meisten Bands entweder live fürs Rock Am Kuhteich entdecke oder über sie lese und sie mir dann live anschaue. Manchmal gibt es aber auch einfach Fügungen, wie bei Mobina Galore, die mir Gunnar von Gunner Records ans Herz gelegt hatte und mir direkt gefallen haben. Und da die auf der derzeitigen Tour den Joe Vickers mit dabei haben, haben wir den direkt mitgebucht.

AFL: Du schaust dir also alle Bands vorher live an? Das hört sich echt nach „Arbeit“ an.

Lutz: Ja…ich gehe schon auf sehr viele Konzerte. Das sind so 50 bis 80 Stück im Jahr. Manchmal ist dann nichts dabei, manchmal gibt es auch Abende wie der Konzertabend mit Pascow, Baboon Show und Disco//Oslo…wo direkt fest stand, dass ich die alle haben möchte. Gut, bis Stand heute hat es nur mit Disco//Oslo geklappt, aber was die anderen angeht bleibe ich am Ball.Wobei man natürlich auch das Finanzielle beachten muss und so gibt es auch dahingehend immer Schmerzgrenzen.

AFL: Was ich an euren Line-Up´s neben der musikalischen Abwechsleung auch so gut finde, ist die Tatsache, dass ihr nicht immer dasselbe auffahrt. Denn es gibt Festivals auf eden wiederholen sich die Band alle Jahre wieder.

Lutz: Ja, das ist mir auch wichtig, es muss schon irgendwas passiert sein. Entweder eine neue Scheibe oder es müssen ein paar Jahre dazwischen liegen. Alarmsignal sind dieses Jahr ja ebenso wie im Kältejahr wieder mit dabei…was aber auch sehr gut passt, da der Bulli von Disco//Oslo ja auch bei Alarmsignal tätig ist…oder umgekehrt!
Es soll halt nicht immer dieselbe Schose runtergespielt werden.

AFL: Ich sprach das genreübergreifende Linbe-Up gerade schon einmal an. Siehst du das Festival aber trotzdem noch als Punkfestival an, denn die „Headliner“ eures Festivals entstammen ja fast immer diesem Genre!

Lutz: Im Herzen steckt da schon der Punk. Es ist aber auch so, dass das Problem der meisten reinen Punkfestivals ist, dass die Bands die dort am Nachmittag spielen oft nur gute Kopien der Headliner sind. Und das macht die Bands ja nicht gerade spannend. Durch die Abwechselung können alle Bands auf ihre Art begeistern. So schlagen Bands wie 100Blumen ja schon sehr aus der Art.
Die hatte ich im letzten Jahr ebenso wie The Movement auf der Sommerschlacht gesehen und war von dieser Soundwand aus Samples, Gitarre und Schlagzeug einfach nur begeistert. Die haben schlichtweg Spaß und das merkt man.
Diesbezüglich könnte man nun auch wieder damit anfangen, wo Punk anfängt und aufhört…würde aber nun wohl zu weit führen.

AFL: Du gehst ja nun viel auf Konzerte und Festivals. Was stört dich da immer am meisten, was du bei eurem Festival auf keinen Fall aufkommen lassen willst?

Lutz: Das ist definitiv die Nichteinhaltung des Zeitplans. Der hat bei uns oberste Priorität. Denn ich hasse es auf Festivals zu gehen, auf denen man z.B. Fahnenflucht um elf Uhr Abends sehen möchte und die spielen dann morgens um zwei. Wir achten schon sehr auf die Einhaltung des Zeitplans.

AFL: Wo du gerade auf das „Wir“ eingehst…wieviele Leute seid ihr eigentlich bei Kulturdesign e.V., dem Organisationsverein des Festivals?

Lutz: Kulturdesign e.V. selbst hat so zehn Mitglieder und da kommen dann nochmal so 60 Helfer dazu.

AFL: Kommen die alle aus dem Raum Borna?

Lutz: Anfangs schon aber durch Wegzog oder auch andere „Zufälle“ hat siich der Helferkreis doch auf ganz Deutschland ausgeweitet. So habe ich z.B. vor ein paar Jahren auf dem winterlichen Motorradtreffen auf der Augustusburg den Leipziger Chapter des alternativen MC Kuhle Wampe kennengelernt und die sind seit Jahren bei uns mit im Helferteam.
Die Helfer werden übrigens ebenso wie die Bands auch von weiteren Helfern mit Essen versorgt. So kümmert sich Isabell mit Freundinnen um das Kulinarische (Anm.: während des Interviews hat Isabell neben Kuchen ein köstlich aussehendes Bärlauch-Pesto zubereitet, so dass es sich alleine wohl schon deshalb lohnt, dem Festival als Helfer zur Seite zu stehen).

AFL: Wie haltet ihr es denn mit der Politik auf dem Festival?

Lutz: Die halten wir weitgehend raus. Die Linksjugend hat zwar mal einen Infostand bei uns, aber sonst halten wir Parteien schon raus.
Wobei wir schon in der Vergangeheit von unserer linken Oberbürgermeisterin unterstützt wurden. Gerade wenn es mal zu Problemen kam.

AFL: Die Probleme sind wahrscheinlich vielfältig, wie z.B. Auflagen usw. oder?

Lutz: Die zu erfüllenden Sicherheitsauflagen sind das eine, aber gerade in den ersten Jahren hatten wir auch mit einem Naziproblem zu kämpfen. Wir hatten damals noch ein rechtes Schulungszentrum im Ort und somit gab es natürlich Probleme. So wurde ich selber auch bedroht. Zudem kam es dann zu Flugblatt-Aktionen auf denen stand, dass der bolschewitzische Lutz Lettau die Antifa nach Borna holt und diese dann brandschatzend durch Borna ziehen wird. Totaler Blödsinn halt, aber die sind mittlerweile ja zum Glück weg und im Schulungszentrum ist nun ein Seniorenheim.

AFL: Das nenne ich doch mal eine sinnvolle Nachnutzung! Aber bleiben wir nochmal bei den Anfängen. Wie bist du seinerzeits eigentlich auf die Idee gekommen ein Festival zu organisieren?

Lutz: Am Kuhteich habe ich als Kind immer mit meinem Nachbarn und jetzigen Mieter geangelt und dieser Kuhteich, der wirklich so genant wird, liegt direkt neben dem Freibad und irgendwann wuchs die Idee ein Provinz-Festival auf die Beine zu stellen. Wobei Provinz hier nicht negativ zu sehen ist…im Gegenteil. Ich finde immer man sollte und darf sich überhaupt nicht für die Provinz schämen und darum sollte man auch direkt im Namen die Provinz raushören.

AFL: Hast du denn vorher schon Konzerte und so organisiert oder bist du direkt mit dem Festival gestartet?

Lutz: Ich habe vorher mal Partys oder so organisiert und hatte daran schon immer Freude, aber Konzerte oder so habe ich vorher nicht wirklich gemacht.

AFL: Ihr habt in den letzten Jahren echt klasse Bands am Start gehabt. Gibt es Bands, die in eurer Preisklasse liegen und die unbedingt mal bei euch aufspielen sollen?

Lutz: Da wäre auf jeden Fall Pascow, die liegen zwar an der Schmerzgrenze, aber da bleibe ich am Ball. Zudem würden Baboon Show oder auch die Los Fastidios echt gut ins Programm passen.
Ich habe fürs nächste Jahr bereits jetzt so vierzig Bands im Kopf.

AFL: Gibt es eigentlich noch besondere Neuerungen durch den Ortswechsel?

Lutz: Eine der wichtigsten Neuerungen ist auf jeden Fall das Glasflaschenverbot. Denn schließlich gehen die ja auch gerne mal kaputt und dort im Kulturpark spielen wenig später ja auch wieder Kinder und die Scherben bekommst du nie ganz aus dem Waldboden wieder raus. Darum haben wir ja auch Astra mit am Bord, von denen dann das Dosenpils stammt.

AFL: Neben Astra habt ihr auch einen Partner wie NextClubTours mit an Bord, die einen Shuttleservice zum Festival anbieten. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Lutz: Die haben uns gezielt angesprochen. Das ist ein recht junges Team, die neben dem Job so ein Shuttle-Bus System aufbauen wollen. Die haben, glaube ich, auch schon einmal für das WGT in Leipzig gearbeitet und haben dort erste Erfahrungen gesammelt.
Und so nahm ich das Angebot gerne an. Die Wege sind zwar auch so schon kurz und man kann gut mit der Bahn und so anreisen, aber ein Bus-Shuttle ist ja auch was feines.


Im Anschluss an das sehr nette Gespräch machten wir uns dann noch auf den Weg zum alten Gelände und ich musste dort sehr schnell erkennen, was Lutz meinte, als er von dem Zustand des ehemaligen Freibads sprach.
Was echt schade ist, denn es ist echt ein schönes Fleckchen Erde was dort verkommt!

Aber auch die neue Lokation wird überzeugen und so freuen wir uns auf drei elustre Tage in Deutzen!
Alle wichtigen Infos zum Festival lest ihr übrigens noch in unserem Festivalvorbericht, den ihr HIER lesen könnt!

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