Nicht erst seit der Veröffentlichung des Wolf Down Outings (wir berichteten) ist Sexismus ein Thema in der Szene. Schon vorher wurden über Social Media Frauenfeindlichkeit und sexuelle Übergriffe thematisiert. Das dichte Gedränge auf Shows bietet sich natürlich gut an, um mal eben scheinbar versehentlich an den Hintern einer vorbeigehenden Dame zu greifen. Vor allem im Mosh Pit oder beim Diven weiblicher Konzertbesucher, wird gerne mal mehr oder weniger absichtlich an intime Körperstellen gefasst. Um sexistischen und anderen fremdenfeindlichen Handlungen auf Shows vorzubeugen, haben Bands in der Vergangenheit bereits sogenannte „Safer Spaces“ auf ihren Gigs eingeführt. Ob das die Lösung des Problems ist, bleibt allerdings fraglich. Egal ob alkoholisiert oder schlecht erzogen: Idioten, die meinen, es sei in Ordnung andere Menschen ungefragt anzufassen, wird es dennoch geben. Viel wichtiger ist es, in solchen Situationen einzuschreiten und deutlich zu machen, dass ein solches Verhalten nicht geduldet wird.

Zurück zu den Ereignissen der letzten Tage: die Anschuldigungen gegenüber den Wolf Down Mitgliedern, gehen weit über sexuelle Übergriffigkeit hinaus. Angesprochen wurde Vergewaltigung und sexuelle Nötigung innerhalb einer langfristigen Beziehung. Nicht nur das Verhalten der beschuldigten Bandmitglieder, auch die Tatsache, dass es manche Frauen nicht aus eigener Kraft schaffen sich aus einer solchen missbräuchlichen Beziehung zu lösen, hat uns schockiert. Wir möchten an dieser Stelle allerdings nicht weiter auf den aktuellen Fall eingehen, da wir uns nicht in der Position sehen, über irgendwen zu urteilen. Stattdessen wollen wir im Folgenden die grundlegende Thematik ansprechen.

missbräuchliches und gewalttätiges Verhalten muss zur Anzeige gebracht werden

Während Sexismus und Frauenfeindlichkeit oftmals Folge von fragwürdigen Wert- und Moralvorstellungen ist, sind missbräuchliche Verhaltensweisen und dysfunktionale Beziehungen oft geprägt von psychischen Erkrankungen, Bindungsstörungen und verschiedenen Traumata. Diese zugrundeliegenden – oft schon in der Kindheit verankerten – Ursachen, erschweren es den Opfern sich aus solchen Beziehungen zu lösen. Deviantes Verhalten auf Seite der Täter, ist ebenfalls nicht selten Produkt einer psychischen Krankheit oder Persönlichkeitsstörung. Das soll auf keinen Fall eine Rechtfertigung für Täter darstellen. Im Gegenteil: missbräuchliches und gewalttätiges Verhalten muss zur Anzeige gebracht werden und von entsprechenden Stellen be- bzw. verurteilt werden. Wer diesen Schritt nicht machen möchte, kann sich (meist auch anonym) an geeignete Stellen wenden. Auch für Personen, die sich in der Täterrolle befinden, gibt es Anlaufstellen und Hilfen, dass eigene Verhalten zu reflektieren und zu ändern. Sowohl Opfer als auch Täter müssen dazu ermutigt werden sich professionelle Hilfe zu suchen – im besten Fall bevor es zu einer Straftat kommt!

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Egal ob sexistische, frauen- und männerfeindliche, gewalttätige Einzelfälle auf der Straße, im Club und auf Shows oder eben in längerfristigen missbräuchlichen Beziehungen, die auf den ersten Blick einvernehmlich erscheinen – wir dürfen davor unsere Augen nicht verschließen! Daher der Aufruf an Alle:

  • Beobachtet ihr eine Situation, die Euch nicht korrekt erscheint – sprecht die Personen an! Ein kurzes „Ist alles okay bei dir?“ kostet nichts!
  • Befindet sich ein Freund oder eine Freundin in einer missbräuchlichen Beziehung – sprecht darüber, bietet eure Hilfe an und ermutigt die Person sich professionelle Hilfe zu suchen!
  • Befindet ihr euch selbst in einer dysfunktionalen Beziehung, dann wendet euch an eine der unten stehenden Stellen!
  • Nehmt ihr bei euch selbst, Verhaltensweisen wahr die anderen schaden können, könnt ihr euch ebenfalls an geeignete Stellen wenden!

It’s okay not to be okay!

Sowohl Opfer von sexueller Gewalt als auch alle anderen Personen die unter diversen psychischen Problemen leiden, müssen in einer Gesellschaft leben können, die frei von Vorurteilen und negativen Reaktionen ist! Sich professionelle Unterstützung zu suchen, darf nicht als Schwäche betrachtet werden, sondern als ein Schritt in ein selbstbestimmtes Leben! Vor allem in einer toleranten Szene wie dem Punkrock und Hardcore muss gelten: It’s okay not to be okay!

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“….

…ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung werden Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung unterstützt – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte beraten wir anonym und kostenfrei. Weitere Informationen gibt es unter http://www.hilfetelefon.de.

Das Hilfeportal – Sexueller Missbrauch….

…unterstützt online unter https://www.hilfeportal-missbrauch.de auf der Suche nach Beratungsstellen, Einrichtungen und Therapeuten in der Nähe. Telefonische Beratung gibt es kostenlos und anonym unter 0800 – 22 55 530.

Ein Frauenhaus in eurer Nähe könnt ihr auf folgender Seite finden http://www.frauenhauskoordinierung.de.

re-empowerment e.V. – Frauen gegen Partnerschaftsgewalt….

…unterstützt Frauen im Sinne des Grundsatzes zur Selbsthilfe, deren Leben von einer gewaltgeprägten Paarbeziehung beeinflusst wird oder wurde. Informationen und ein Form zum Austausch findet ihr unter https://www.re-empowerment.de

„Ist Luisa hier?“….

…ist eine Kampagne des Münster Frauen-Notrufs. „Luisa“ ist ein Hilfsangebot für Frauen in der Partyszene, die aus einer unangenehmen Situation heraus möchten. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich Frauen ans Personal wenden und bekommen unmittelbar und diskret Hilfe. Die Frau entscheidet selbst, welche Hilfemöglichkeit sie in Anspruch nehmen will, z.B. ein Taxi oder Freunde/Freundinnen rufen. Die Kampagne läuft bereits in Münster, Paderborn, Essen und einigen weiteren Städten. Informationen gibt es unter http://luisa-ist-hier.de.

 Grundsätzlich sollte man sich immer an Securities, Personal oder umstehende Personen wenden können, wenn man sich in einer unangenehmen oder gar gefährlichen Situation befindet.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt (BAG TäHG) e.V. ….

…ist ein interinstitutioneller, interkultureller Dachverband für Täterarbeitseinrichtungen Häuslicher Gewalt in Deutschland. Das sind Einrichtungen die mit Tätern häuslicher Gewalt arbeiten, dadurch Opferschutz leisten und gewaltpräventiv wirken wollen. Beratungsstellen findet ihr unter https://www.bag-taeterarbeit.de/beratungsstellen-suchen.html.

Das Männerberatungsnetzwerk….

…bietet unter http://www.maennerberatungsnetz.de eine Übersicht aller Gewaltschutz- und Konfliktberatungsstellen für Männer im deutschsprachigen Raum. Diese richten sich zumeist nicht nur an männliche Opfer, sondern auch an Täter!

Kein Täter Werden….

…bietet deutschlandweit an verschiedenen Standorten ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Nähere Informationen findet ihr unter https://www.kein-taeter-werden.de.

Der Sozialpsychiatrische Dienst….

…bietet deutschlandweit Beratung und Hilfen für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dort können unter anderem auch Opfer sexueller Gewalt oder (potentielle) Täter Beratung in Anspruch nehmen und gegebenenfalls an eine andere (therapeutische) Stelle vermittelt werden. Den nächstgelegenen Sozialpsychiatrischen Dienst findet ihr im Internet.

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Ich bin die Jule, Jahrgang ‘92, aus dem schönen Landshut in Niederbayern. Seit April 2017 bin ich Teil des AWAY FROM LIFE-Teams. Neben sporadischen Reviews und Konzertberichten präsentiere ich regelmäßig die Top-10-Songs und belästige euch jeden Monat mit unserem Newsletter. Am wohlsten fühle ich mich in melodischen Punk-Rock-Gefilden, dabei darf es weder an rauen Stimmen noch an harmonischen Gitarrenriffs fehlen!

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