Ich muss zugeben, ich war zunächst skeptisch. Wie viele Livealben aus dem deutschsprachigen Punkrock kennt ihr, die wirklich die Stimmung einer Show einfangen? Mir fallen da ehrlich gesagt nur die Alben von Die Ärzte und den Toten Hosen ein. Ja, im Dezember hat Normahl auch eine ganz nette Scheibe abgeliefert, aber eben ganz auch nur nett. Stattdessen gibt es viele Negativerlebnisse und grauselige Livetracks (Knochenfabrik – Deutschmark muss sterben anyone?). Also ging ich etwas skeptisch an das vorliegende Album heran.

Um gleich zu spoilern: Bereits nach den ersten vier Takten war klar, dass die Einschätzung absolut fehlerhaft war. Alleine schon beim Eröffnungssong Rupert Gruen war ich dermaßen gerührt, das ich den Text zu dieser 5-Sterne-Kritik schon fast im Kopf hatte. Das Publikum ging dermaßen mit, dass es eine wahre Freude ist. Bei einigen der 21 (!) Liedern kann man diese unglaubliche Atmosphäre, die Turbostaat auf ihren Konzerten versprühen fast fühlen.

Der Anlass zur Veröffentlichung ist auch kein geringer. In dieser Woche sind Turbostaat 20 Jahre alt geworden, wer hätte das gedacht? Das Album bietet einen bunten Querschnitt durch die Karriere der Flensburger Superstars. Von den zaghaften Anfängen bis hin zu den letzten beiden Konzeptalben. Müßig einzelne Tracks hervorzuheben.

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Das Faszinierende an dem Album ist sicherlich das Publikum, das hier quasi als sechstes Bandmitglied agiert. Nicht zuletzt hat die Band jeden Besucher der drei Konzerte im April 2018 im berühmten Conne Island-Club im 60seitigen Booklet einzeln aufgeführt. Ihr langjähriger Wegbegleiter und Freund Moses Schneider produzierte das Album. Und auch das ist sicherlich ein Gewinn. Bei drei Konzerten konnte die Band sicherlich aus dem Vollen schöpfen und viele Overdubs werden auch nicht notwendig gewesen sein. Der druckvolle, punktgenaue Sound auf diesem Album ist einfach Wahnsinn.

Mir fehlen immer noch die Worte!

Das Album erscheint als Dreier-LP mit 60seitigem Beiheft sowie als Einfach-CD und natürlich digital am 11. Januar 2018 über 8NULL9 / Eigenvertrieb Turbostaat Shop / Cargo.

Trackliste:
A – 1. Rupert Grün
A – 2. Haubentaucherwelpen
A – 3. Tut es doch weh?
A – 4. Ja, Roducheln
A – 5. Abalonia

B – 1. Fraukes Ende
B – 2. Ufos im Moor
B – 3. Wolter
B – 4. Pennen bei Glufke
B – 5. 18:09 h, Mist, verlaufen

C – 1. Sohnemann Heinz
C – 2. Eisenmann
C – 3. Insel
C – 4. Alles bleibt Konfus
C – 5. Kriechkotze (Cover von Dellwo)
C – 6. Drei Ecken – ein Elvers

D – 1. Monstermutter
D – 2. Island Manöver
D – 3. Harm Rochel
D – 4. Vormann Leiss
D – 5. Schwan

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc (Archivversion: http://archive.iamhavoc.de/), veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier.

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